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"Die Maxime heißt Menschlichkeit"

- ein Kommentar von Matthias Seng -

Als sich die deutsche Regierung vor mehr als drei Jahren dazu entschloss, die Augen und die Grenzen nicht vor der Not vieler Tausender geflüchteter Menschen zu verschließen und ihnen in unserem Land Zuflucht und Schutz zu gewähren, war das eine Sternstunde in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat die von vielen geschmähte „Willkommenskultur“ bestätigt.

 „Ausländerkriminalität“, „Herrschaft des Unrechts“ und „Asyltourismus“ – das waren und sind beim Wählerfang gängige Schlagworte zum Thema und zu den vermeintlichen Gefahren, die von den Geflüchteten ausgehen. Leider wurden solche polemischen Begriffe auch von verantwortlichen Politikern in Bayern übernommen oder sogar geprägt, und das, obwohl die Staatsregierung viel Geld zur Verfügung gestellt hat, um den hier angekommenen Männern, Frauen und Kindern die Integration zu erleichtern.

Man kann Bayern in dieser Hinsicht sogar als Vorreiter bezeichnen, vor allem, was die Hilfsbereitschaft der Gesellschaft anbelangt. Gegen Widerstände aus der Politik und über alle Hürden hinweg, die von Ausländerbehörden und dem Bundesamt für Migration aufgestellt wurden und werden, erbringen Hunderttausende freiwilliger Helfer tagtäglich den Beweis, dass sich gesellschaftliches Engagement lohnt. Gemeinsam mit einer effektiven öffentlichen Verwaltung, in der viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Verstand und Herz arbeiten, konnte so im Herbst 2015 eine drohende humanitäre Katastrophe abgewendet und stattdessen eine Erfolgsgeschichte geschrieben werden.

 Viele der aus ihrer Heimat geflüchteten Menschen sind tatsächlich in Deutschland und in Bayern angekommen. Sie arbeiten, befinden sich in Ausbildung oder absolvieren Integrationskurse, um die Sprache zu lernen und sich ein neues Leben fernab ihrer Heimat aufzubauen. Die Kinder besuchen Kindergärten und Schulen, die ersten jungen Leute studieren sogar. Und sie alle sind aus tiefem Herzen dankbar für das, was unsere Gesellschaft und unser Staat ihnen an Hilfe haben zukommen lassen.

Auf das bisher Geleistete können wir mit Fug und Recht stolz sein. Vor allem aber sollten wir nie vergessen, dass wir nicht „(Wirtschafts)-Flüchtlinge“, „Asylanten“ oder „Migranten“ vor uns haben, sondern Menschen, die ganz gewiss nicht freiwillig ihre Heimatländer verließen und die darauf vertrauen, dass sie von uns human behandelt werden. Wenn wir an dieser Maxime festhalten, wird auch unsere Gesellschaft eine im besten Sinne menschliche bleiben.

Ihr Matthias Seng

Matthias Seng koordiniert den Helferkreis in Gerolzhofen und hat gemeinsam mit unserem Vorstand und der Leitung der Sozialen Dienste „Die Sieben Schweinfurter Sätze“ verfasst.